Nolde der „Malermensch“
Nolde bezeichnete sich selbst oft als „Malermensch“ – eine Bezeichnung, die die Dualität zwischen Künstler und Mensch betont. Diese Ausstellung beleuchtete nicht nur die künstlerischen Früchte seiner Zeit in Berlin, sondern auch die Herausforderungen, die dieser Gegensatz mit sich brachte. Die Ausstellung ließ die Besucher den Spannungsbogen zwischen der lebhaften Stadt und der beruhigenden Natur nachempfinden – ein Wechsel, der Noldes Schaffen zeitlebens prägte.
Emil Nolde selbst hat die starken Gegensätze zwischen dem lebhaften Berliner Nachtleben und der Ruhe des Landlebens auf eindrückliche Weise beschrieben – ein Spannungsfeld, das seine Kunst nachhaltig prägte. Mit einem Hauch von Ironie schildert er seine Eindrücke vom Großstadtleben: „Allabendlich um elf zog ich meine dunkle Hose an und auch den schwarzen St. Galler Frack, der nun bald historisch war. Meine Ada ebenfalls zog ihr bestes Kleid an, und wir gingen auf Maskenbälle, in die Kabaretts, in den Eispalast. Und dann gings in öffentliche Lokale, wo fahl wie Puder und Leichengeruch impotente Asphaltlöwen und hektische Halbweltdamen in ihren elegant verwegenen Roben saßen, getragen wie von Königinnen. Und weiter ging es hinein in den Zigarettendunst der Cafés der Morgenstunden, wo Neulinge aus der Provinz, harmlos mit Straßendirnen sitzend, im Sektrausch halb hinschliefen.“
„… das künstlerisch Beste“
Er beschreibt, wie er und seine Frau Ada das kulturelle Leben Berlins bewusst suchten: „Wir waren gern dort, das Besondere der Großstadt suchend, das künstlerisch Beste: Konzerte, Theater, Vorträge.“
Doch auch die stille Idylle seiner ländlichen Sommerresidenz blieb ein wichtiger Gegenpol in seinem Leben und Werk: „Ein größerer Gegensatz zum fernen sommerlichen Landleben war kaum denkbar. Dort der friedliche Wald mit den großen, weißen, ruhenden Wolken – hier die Benzinstraßen und der Zigarettendunst der Lokale.“
Die Ausstellung in Seebüll lud Besucher ein, diesen Kontrast nachzuempfinden und die Vielschichtigkeit von Noldes Werk neu zu entdecken – im Gesamtkunstwerk Seebüll, das Kunst, Natur und Kultur harmonisch vereint.