Die Sammlung der Nolde Stiftung Seebüll bildet mit dem Archiv das Herzstück der Einrichtung. Sie umfasst den weltweit größten Bestand an Werken Emil Noldes sowie seinen schriftlichen Nachlass mit Korrespondenz, Dokumenten und Fotografien. Sammlung und Archiv bieten damit nicht nur persönliche Einblicke in Leben und Werk des Künstlers, sondern auch eine zentrale Quelle für die Forschung zum Expressionismus.
Archiv und Forschung

Archivarische Bearbeitung des Nachlasses „Ada und Emil Nolde“
Ada und Emil Nolde hoben ihre Korrespondenz mit der Familie, mit Bekannten, Künstlerfreunden, Sammlern, Kunsthändlern und Museen auf. Sie besteht aus vielen tausend Briefen, die heute ein Kernstück des Archivs der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde bilden. Darüber hinaus verwahrt das Archiv die vom Ehepaar Nolde hinterlassenen biographischen Originaldokumente, persönliche Papiere und Aufzeichnungen sowie Fotografien.
Die archivarische Bearbeitung des Nachlasses sieht eine Neuaufstellung des Bestandes aus konservatorischen Gründen, die Verzeichnung der über 25.000 Dokumente und die Einzelblattdigitalisierung vor. Am Ende stehen die digitalisierten Dokumente in einem Digitalen Langzeitarchiv (OAIS) allen wissenschaftlichen Benutzern vor Ort vollständig zur Verfügung.
Während der archivarischen Bearbeitung des Nachlasses ist die Stiftung bemüht, die Archivalien weiterhin externen Forschern vor Ort zur Verfügung zu stellen.
Erst durch die finanzielle Förderung der Wüstenrot-Stiftung und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg, wurde die erstmalige archivarische Bearbeitung und Digitalisierung des gesamten Nachlasses Ada und Emil Nolde möglich.
Wir danken unseren Förderern:


Laufende Forschungsprojekte
Christian Ring
Joachim von Lepel und die Gründungsgeschichte der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde
Die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde wurde nach dem Tod Emil Noldes vom Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein am 12. Juni 1956 anerkannt. Nolde bestimmte testamentarisch seinen Sekretär und Vertrauten Joachim von Lepel (1913–1962) zum Direktor. Joachim von Lepel sichtete, ordnete und verwaltete den künstlerischen Nachlass, initiierte zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, legte Stiftungsjahrbücher vor und initiierte Standardwerke. Bereits ein Jahr nach Noldes Tod wurde Seebüll als Museum mit jährlich wechselnden Ausstellungen für Besucher geöffnet. Nachdem von Lepel zehn Jahre an der Seite zunächst beider Noldes, dann Emil Noldes gelebt hatte, konnte von Lepel durch seinen frühen Tod 1962 nur sechs Jahre lang die Geschicke der Stiftung leiten. Die von ihm gesetzten Grundlagen wirken bis heute, ohne dass er als Person in den Vordergrund getreten wäre. Christian Ring widmet sich den Anfangsjahren der Stiftung und nähert sich dem ersten Direktor.
Eine Publikation ist in Vorbereitung.
Christian Ring
„Wechselspiele“
Christian Ring geht seit der intensiven Beschäftigung mit dem Spätwerk in der 60. Jahresausstellung Seebüll 2016 der engen Verflechtung zwischen Arbeiten auf Papier und Gemälden im Werk Emil Noldes nach. Von 1945 bis 1951 malte Nolde noch über 100 Ölgemälde, wobei die Mehrzahl der Figurenbilder und Landschaften auf den Aquarellen der Werkgruppe „Ungemalte Bilder“ basiert. Ein erstes Ergebnis seiner Forschung veröffentlichte er im jüngsten Standardwerk zur Aquarellmalerei Noldes: „Zu den Ungemalten Bildern und weiteren Arbeiten auf Papier als Vorlage für Ölgemälde bei Emil Nolde“. Es gibt zum Teil wörtliche Inspirationsverhältnisse, aber auch verstecktere. Nolde selbst pflegte den Topos des Originalgenies, dem das Werk aus der Hand floss. Einzig bei den „Ungemalten Bildern“, seit den 1930er-Jahren entstehenden meisterlichen Aquarellen, ist der Bezug zum Ölgemälde im Spätwerk durch teils wörtliche Übertragung bekannt. Weitere Ergebnisse veröffentlicht der Autor im Kapitel „Wechselspiele. Arbeiten auf Papier als Vorlage für Ölgemälde“ in der Monographie „Die Kunst selbst ist meine Sprache“.
Eine Publikation ist in Vorbereitung.
Indina Woesthoff
Emil Nolde und Hans Fehr. Briefwechsel 1892–1956
Während seiner Zeit als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in St. Gallen (1892–1897) lernte Emil Nolde den sieben Jahre jüngeren Hans Fehr kennen. Aus der anfänglichen Lehrer-Schüler-Beziehung wurde eine Lebensfreundschaft, die bis zu Noldes Tod 1956 währte. Der Rechtshistoriker Fehr zählte zu den ersten Förderern Noldes und ermöglichte durch frühzeitige Ankäufe und konstante finanzielle Unterstützung dem noch unbekannten Künstler eine Lebensgrundlage. Darüber hinaus organisierte er Ausstellungen in Jena und Halle und veröffentlichte Texte über Nolde, zuletzt 1957 „Ein Buch der Freundschaft“.
Die Bedeutung der Freundschaft Nolde–Fehr kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, ihre Erforschung anhand der Briefe erschließt eine wichtige Quelle zur objektiven Nolde-Forschung. Den Schatz an Briefen, der sich überwiegend im Archiv der Nolde Stiftung Seebüll befindet, nun vollständig zu heben und zu veröffentlichen, ist das Ziel des Editionsprojektes „Emil Nolde und Hans Fehr“. Ein ausführlicher Kommentar wird die Briefe begleiten.
Eine Publikation ist in Vorbereitung.
Abgeschlossene Forschungsprojekte
Indina Woesthoff
Ada und Emil Nolde – Gustav und Luise Schiefler. Briefwechsel 1906–1956
Der Hamburger Jurist und Graphiksammler Gustav Schiefler und seine Frau Luise zählten vierzig Jahre lang zu den vertrauten Freunden und Förderern Emil Noldes. Die annähernd 700 Briefe umfassende Korrespondenz ist ein seltener Glücksfall für die Forschung. Der 2023 veröffentlichte Briefwechsel wird ergänzt durch Tagebuchnotizen Schieflers sowie durch weitere Briefe und Dokumente aus den Nachlässen. Ein ausführlicher Kommentar und mehrere Register vervollständigen die zweibändige Ausgabe und lassen sie zu einem Lesevergnügen werden – nicht nur für Kunstwissenschaftler.
„Ich will so gerne dass mein Werk aus dem Material hervorwachse …“ Kunsttechnologische Forschungen zum Werk Emil Noldes
Von 2018 bis 2021 widmete sich ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Verbundprojekt der Maltechnik und den Künstlermaterialien Emil Noldes. Partner des multidisziplinären Forschungsvorhabens waren das Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München (Koordination), die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde und die Hamburger Kunsthalle in Kooperation mit der Universität Hamburg und der Hochschule der Bildenden Künste Dresden. Die Ergebnisse der maltechnischen Auswertung des Künstlerarchivs und des Ateliernachlasses sowie der umfangreichen technologischen, bildgebenden und analytischen Untersuchungen an rund 50 Gemälden aus den Sammlungen in Seebüll, Hamburg und München sind seit 2022 in der Publikation „Emil Noldes Malweise. Eine Farbe verlangt die andere“ nachlesbar.
S-H Welt. Schleswig-Holstein zwischen Weltoffenheit und Kolonialismus. Die ethnographischen Sammlungen Schleswig-Holsteinischer Museen
In Schleswig-Holstein befinden sich zahlreiche ethnographische Objekte, die vornehmlich aus den ehemaligen deutschen Kolonialgebieten wie Westafrika, Ostafrika, Ostasien, Melanesien, Mikronesien und Polynesien stammen. Um diese Schätze schleswig-holsteinischer Kolonialgeschichte zu heben, initiierten der Museumsverbund Nordfriesland, die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde sowie Dr. Claudia Kalka die Digitalisierung und Veröffentlichung ethnographischer Objekte aus 19 Museen von 2017 bis 2020. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
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