1. März – 31. Oktober, täglich 10:00 – 18:00 Uhr
1. März – 31. Oktober, täglich 10:00 – 18:00 Uhr

Der Farbenmagier des Expressionismus

Emil Nolde selbst erklärt in seiner Autobiographie, wie er zu seiner unverwechselbaren Interpretation des Expressionismus fand: „Unvermittelt plötzlich trieb es mich zu etwas ganz anderem. […] Mit der Farbe, mit den Mitteln, dem Technischen war es ein schweres Ringen. Alles Übernommene, Gelernte war nichts, alles mußte wie neu erfunden werden.“ (II, 100, 107)

Der Farbenmagier des Expressionismus
Emil Nolde, „Lichte Dahlien und Sonnenblumen“ (Ausschnitt), Gemälde 1943
© Nolde Stiftung Seebüll

Zu dieser Zeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, ist Nolde bereits über 30 Jahre alt. Sein unbedingter Wunsch, Künstler zu werden, hatte den 1867 geborenen Bauernsohn aus der Heimat in die Welt geführt. In seinen „Wanderjahren“ trieb Nolde seine Ausbildung zum freien Künstler in privaten Malschulen voran.

Vielleicht schon 1901 hatte er die aufrüttelnd moderne Kunst Vincent van Goghs bewundert. Einer postimpressionistischen Phase folgte die neue, expressive Ausdrucksform. Das erkannte eine Gruppe von etwa 20 Jahre jüngeren Künstlern um den Maler Karl Schmidt-Rottluff. Er sprach 1906 im Namen der Künstlergemeinschaft „Brücke“ in Anerkennung der „Farbenstürme“ Noldes die Einladung zum Beitritt aus. Nolde gehörte der Gruppe nur kurze Zeit an und stilisierte sich in der Folge zum Einzelgänger unter den Expressionisten.

Das künstlerische Vokabular Noldes ist außerordentlich reich: reine, kraftvolle und von der Naturdarstellung gelöste Farben, die er kontrastreich gegeneinandersetzt. Er lässt bewusst die Leinwand stellenweise sichtbar, der Farbauftrag ist variantenreich und seine dynamische Pinselschrift schafft lebendige Bildoberflächen. Ein Alleinstellungsmerkmal Noldes sind ab 1914 auch stark farbige Grundierungen, die zur Bildwirkung beitragen. Abschließend setzt er seine Signatur als Markenzeichen in Farbwahl und Position sorgfältig als gestalterisches Element ein.

Nolde lässt uns an seinem subjektiven Blick auf die Welt teilhaben: ob in leuchtenden Blumenbildern, tosenden Meeresdarstellungen, von mächtigen Wolken geprägten nordfriesischen Landschaften, seinen spukvollen Phantasien, eigenwilligen religiösen Gemälden, freien Figurenbildern einschließlich starker Porträts, in denen Nolde den Charakter der Dargestellten wiedergeben möchte.

Am Ende seines Lebens verzeichnete der 1956 im Alter von 88 Jahren gestorbene Emil Nolde mehr als 1300 Ölbilder und rund 10.000 Aquarelle. Bis heute gilt er als „Farbenmagier“ des Expressionismus und als „Meister des Aquarells“. Der Künstler resümierte: „Die Kunst selbst eben ist meine Sprache.“ (II, 133)

Emil Nolde - Die Kunst selbst ist meine Sprache

Emil Nolde - Die Kunst selbst ist meine Sprache

Eine gut lesbare und anregende Lektüre: der ganze Nolde in handlicher Übersicht.