1. März – 31. Oktober, täglich 10:00 – 18:00 Uhr
1. März – 31. Oktober, täglich 10:00 – 18:00 Uhr
68. Jahresausstellung 2024
EMIL NOLDE –
PHANTASIEN
EMIL NOLDE – PHANTASIEN
Emil Nolde, „Frühmorgenflug“, Gemälde 1940
© Nolde Stiftung Seebüll

Über die Ausstellung

Mit dem Thema „Phantasien“ widmete sich das Nolde Museum Seebüll erstmals einem bislang wenig beachteten Werkkomplex von Emil Nolde. Spontan und unbewusst malte er über alle Phasen seines Schaffens hinweg kuriose Geschöpfe auf Leinwand und Papier. Es sind darunter sowohl lustige Gesellen als auch gespenstisch wirkende Wesen zu finden.

Ausflüge ins Traumhafte

Emil Noldes Kunst wurzelt im deutsch-dänischen Grenzland seiner Kindheit, hier findet er „das Dämmerige, Phantastische des Nordens, diese Stunden der Phantasieerregungen, im Leben und in der Kunst“, wie er in seiner Autobiographie berichtet. Er versteht seine Aufgabe als Künstler auch im freien Erfinden.

Seit Kindertagen, so berichtet uns Nolde selbst, verfügt er über eine lebhafte Phantasie: Im herabfallenden Putz des Kuhstalls erkennt der Knabe „Gesichter und wilde Figuren“. Der Bauernsohn geht seinen Weg als Künstler gegen viele Widerstände. Mit großem Erfolg legt er humorvolle Darstellungen der Bergwelt als „Bergpostkarten“ auf, deren Erlös ihm den Start ins freie Künstlertum ermöglicht. Schon das erste Ölbild, das Nolde, damals noch Emil Hansen, sich unbeholfen abringt, sind mythische „Bergriesen“ (1895/96), grobschlächtige Gesellen in erdigem Braun. Phantasien und Grotesken ziehen sich fortan durch das gesamte Werk.

Eine Frau in einem pinken Kleid kniet am Boden und hält die Hände eines Mädchens in einem roten Kleid. Im Hintergrund sind dunkelrote Blumen mit grünen Stielen zu sehen.
Emil Nolde, „Frau u. kl. Mädchen (II)“, Gemälde 1918, Sammlung Johenning, Düsseldorf
© Nolde Stiftung Seebüll
Drei bärtige Männerköpfe im seitlichen Profil, einer mit Krone, vor grün-dunkelblauem Hintergrund.
Emil Nolde, „Hl. Drei Könige (Typen)“, Gemälde 1912, Schenkung Professor Hermann Gerlinger an die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde
© Nolde Stiftung Seebüll

Folgt man der Lebenserzählung des Künstlers, entstehen in regelmäßigen Abständen groteske und phantastische Reihen. Zunächst in den graphischen Medien, in denen der gelernte Holzbildhauer über eine große Sicherheit verfügt, ab den 1920er-Jahren im Aquarell – das Emil Nolde letztlich traumwandlerisch souverän beherrscht. Höhepunkt seines Könnens im Aquarell sind die „Ungemalten Bilder“ – die auch ohne den Mythos, der jahrzehntelang um sie geschaffen wurde, von der genialen Kraft des alten Nolde zeugen.

In den Phantasien lässt er eine surreale, phantastische Welt entstehen, die sich kaum mit Worten fassen oder gar erklären lässt. Er malt im wahrsten Sinne des Wortes seine Gedanken aus, und zwar auf Papier und Leinwand. Direktor Dr. Christian Ring, Kurator der Jahresausstellung, erläuterte weiter: „Mit der Verbildlichung seiner Phantasien lässt er uns an seiner inneren Welt teilhaben und eröffnet uns ein völlig neues Erleben.“

Der gereifte Künstler verfasst tagebuchartige Notate, die er „Worte am Rande“ nennt. Am 8. Juli 1943 hält er fest: „Ausflüge ins Traumhafte, ins Visionäre, ins Phantastische stehen jenseits von Regeln und kühlem Wissen. Es sind freie, herrliche Gefilde und Gebiete voll Reiz und Schwarm in lichtem und tiefem und leichtem geistigem Erleben. Wer nicht träumen und schauen kann, kommt nicht mit.“ Nolde weiß, dass die „Phantasien“ eine Herausforderung darstellen, dass sie sich schwieriger erschließen lassen als die Motive, die in der Natur ihren Ursprung haben. Diese Feststellung gilt bis heute: Die Phantasien können ein willkommener Störfaktor sein. Sie brechen Konventionen, mal humorvoll, mal drollig, aber auch erschreckend und tiefgründig.

Nolde schreibt: „[…] wohin ich schaute, die Natur war belebt, der Himmel, die Wolken, auf jedem Stein und zwischen den Zweigen der Bäume, überall regten und lebten in stillem oder wildem lebendigem Leben meine Gestalten, die mich in Begeisterung versetzten und auch plagend nach Verbildlichung riefen.“ So stehen in der Ausstellung die Phantasien aus allen Phasen seines künstlerischen Schaffens und in allen künstlerischen Techniken gleichbedeutend neben leuchtenden Blumengärten, unendlich weiten Landschaften, tosenden Meeren und aufregenden Figurenbildern. Die 68. Jahresausstellung Seebüll 2024 zeigte das herausragende Werk in allen Facetten.

War die 67. Jahresausstellung Seebüll 2023 „Welt und Heimat“ gewidmet, wagte die Ausstellung „Emil Nolde – Phantasien“ einen anderen Blick in die Welt der Phantasie. Der expressionistische Künstler eröffnet uns Dank seiner unbezähmbaren Phantasie neue Gedankenräume.

Ob Bücher, Filme oder Serien: Nicht erst seit „Herr der Ringe“, „Harry Potter“ oder „Phantastische Tierwesen“ ist klar, dass sich Millionen von Menschen begeistert auf phantastische Welten einlassen. Das Versinken in eine freie und phantastische Welt, der Glaube an die Welt der Magie und des Staunens öffnet die Tür zu glücklichen Stunden in einer faszinierenden Märchenwelt. Mit seinen malerischen Mitteln und seiner unerschöpflichen Phantasie ermöglichte Emil Nolde diese beglückenden Momente mit seiner Kunst.

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Einblick in die 68. Jahresausstellung

Vier groteske Riesen mit weißen Haaren, Bärten und teils fehlenden Zähnen sitzen um einen runden Tisch mit einem Krug in der Mitte. Im Hintergrund ist der Himmel orange gefärbt.
Emil Nolde, „Bergriesen“, Gemälde 1895/96
© Nolde Stiftung Seebüll
Drei bärtige Männerköpfe im seitlichen Profil, einer mit Krone, vor grün-dunkelblauem Hintergrund.
Emil Nolde, „Hl. Drei Könige (Typen)“, Gemälde 1912, Schenkung Professor Hermann Gerlinger an die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde
© Nolde Stiftung Seebüll
Drei groteske Figuren stehen hintereinander; die mittlere umarmt die vordere. Vorn eine bärtige Figur in Braun, dahinter eine Figur in Blau mit gelbem Gesicht und Mütze, gefolgt von einer kleineren Figur mit verzerrtem Gesicht.
Emil Nolde, „Erregte Menschen“, Gemälde 1913
© Nolde Stiftung Seebüll
Eine Frau in einem pinken Kleid kniet am Boden und hält die Hände eines Mädchens in einem roten Kleid. Im Hintergrund sind dunkelrote Blumen mit grünen Stielen zu sehen.
Emil Nolde, „Frau u. kl. Mädchen (II)“, Gemälde 1918, Sammlung Johenning, Düsseldorf
© Nolde Stiftung Seebüll
Drei schwebende Gestalten in gelb-orangenen und blauen Gewändern über einer kleinen Stadt auf gelbem Untergrund.
Emil Nolde, Drei fliegende Gestalten über einer Stadt, Aquarell
© Nolde Stiftung Seebüll
Vier grotesk wirkende Figuren in bunten Gewändern und spitzen Hüten bewegen sich über einen hellen, gewölbten Untergrund. Der Hintergrund ist dunkel bis fast schwarz.
Emil Nolde, „An der Peripherie“, Gemälde 1923
© Nolde Stiftung Seebüll
Ein schwarzes, schauriges Wesen mit roten Krallen steht links neben einem dunkelhäutigen Mann mit nacktem Oberkörper und schwarzen Haaren.
Emil Nolde, „Christ und Teufel“, Gemälde 1925
© Nolde Stiftung Seebüll
Zwei große gelbe Sonnenblumen im Vordergrund, dahinter vier gelb-orange Rudbeckien.
Emil Nolde, Sonnenblumen und vier Rudbeckien, Aquarell um 1930/35, Sammlung Johenning, Düsseldorf
© Nolde Stiftung Seebüll
Dunkles Meer mit weißen Schaumkronen unter einem blau-lila Himmel mit vereinzelten Wolken.
Emil Nolde, „Meer und Himmel“, Gemälde 1937
© Nolde Stiftung Seebüll
Zwei groteske Wesen mit blauen Körpern, gelben Haaren und roten Augen und Mündern schweben vor einem grünen, gelben und braunen Hintergrund.
Emil Nolde, „Frühmorgenflug“, Gemälde 1940
© Nolde Stiftung Seebüll